Goldene Stunde

In der Fotografie bezeichnet man die Phasen des Sonnenunter- sowie des Sonnenaufgangs auch als „Goldene Stunde“. Physikalisch betrachtet steht die Sonne beim Sonnenauf- und untergang nahe am Horizont. Die Sonnenstrahlen legen zur Goldenen Stunde einen längeren Weg durch die Athmospähre zurück als zur Mittagszeit. Das Blau des Himmels durchdringt diese Strahlen kaum. Das ist darin begründet, dass das kurzwellige blaue Licht durch Wasserpartikel in der Luft absorbieren wird. Je länger der Weg der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre ist, um so weniger blaues Licht erreicht den Boden. Das Licht wirkt dadurch frühmorgens und spätabends warm und alles in der Landschaft erhält einen goldenen Schimmer.
In unseren Breiten (etwa 51° nördliche Breite) dauert die Goldene Stunde je nach Jahreszeit zwischen 43 und 61 Min. Auf der Höhe von Leknes (Lofoten, etwa 68° nördliche Breite) unterliegt die Dauer der Goldenen Stunde großen Schwankungen. Aus der Goldenen Stunde werden „Goldene Minuten“, „Goldener Tag“ oder „Goldene Nacht“. Vom 10. Dezember bis 1. Janurar gibt es überhaupt keine Goldene Stunde, da die Sonne den Horizont nicht erreicht und der „Goldene Tag“ dauert dann vom 2. Januar (8 Min.) bis 3. Februar (189 Min.). Bis Mitte März nimmt die Dauer der „Goldenen Stunde“ wieder auf 73 Min. ab und steigt dann bis zum 22. Mai auf 157 Min. wieder an. Vom 23. Mai bis zum 18. Juli (152-192 Min.), die Zeit der Mitternachtssonne, kann man auch als „Goldene Nacht“ (in Schattenlagen oder bei bewölktem Himmel als „Weiße Nacht“) bezeichnen. Bis Mitte September nimmt die Dauer wieder bis auf 74 Min. ab und nimmt danach wieder zu.

Wenn ich die Magie des Lichtes beschreiben sollte, so ist es der krasse Wechsel des Lichts über das Jahr. Wir habe ja gelernt, dass die Sonne im Osten aufgeht und im Westen wieder unter. Auf den Lofoten geht die Sonne im Winter auf der Ostseite über dem Vestfjord auf, so dass dieser Teil der Lofoten am Morgen in wunderschönes Licht getaucht wird. Im Sommer hingegen geht sie im Westen auf. (Eigentlich geht sie ja nicht ganz unter und beschreibt einen Bogen knapp über dem Horizont.) Dann steht die Westseite der Lofoten in einem schönen Licht, während die Ostseite nur an wenigen Stellen Sonne ab bekommt, sonst aber durch die hohen Berge im Schatten bleibt. Es ist aber trotzdem taghell, die "Weiße Nacht".

Im Herbst, wenn der Indian Summer Einzug hält, und dazu noch die Goldene Stunde ihren farbigen Beitrag leistet, dann ist die Farbenpracht kaum auszuhalten. In mir löst das immer ein „Wow“ aus, alles wirkt fast unnatürlich und ich zweifele an meinen Bildern, ob ich den Farbsättigungsregler nicht zu hoch gezogen hätte. Nein es ist wirklich so. Gegen Abend ziehen oft auch Wolken auf, durch die die Sonne dann punktuell die Landschaft beleuchtet. Hier kann man dann deutlich sehen, wie groß der Farbunterschied zwischen Licht und Schatten ist.

Mit der tief stehenden Sonne beginnt auch ein schönes Schattenspiel, Oberflächenstrukturen werden hervorgehoben. Ich kann es dann oft nicht vermeiden selbst als Schatten mit aufs Bild zu kommen. Motive vor der Sonne verlieren sich in schwarze Siluetten. Möchte man Personen vor der Sonne fotografieren so hilft hier ein Blitz oder ein goldener Reflektor, der dem Motiv und den Hauttönen warmes weiches Licht gibt.

Hier noch mal der Dämmerungsrechner zur Berechnung der Goldenen Stunde.

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