Der Standort

Seit Jahren haben ich ein festes Domizil auf den Lofoten. Von meiner Unterkunft aus erreiche ich zu Fuß schon ein paar nette Standorte. Von einer Mole aus habe ich einen guten Blick auf die Lofotwand, aber auch einen weiten Blick auf das Meer hinaus. Vom Leuchtturm "Glopenfyr" hat man ebenfalls einen Blick in alle Richtungen. Allerdings ist es dort auch immer ein bisschen zugig, und man muss sich etwas Warmes und vor allem etwas Winddichtes anziehen, sonst wird es schon nach kurzer Zeit ungemütlich.

Ich höre und lese immer wieder von Lichtverschmutzung, und dass man Polarlicht dann schlecht fotografieren kann. Es gibt Leute, die fahren zum Fotografieren auf einen hohen Berg, wo keine Lichtverschnutzung mehr zu erkennen ist. Das halte ich für übertrieben. Der Blick ist da oben aber bestimmt grandios.
Ganz im Gegenteil kann ein bisschen "Lichtverschmutzung" ein Bild bereichern, gibt der Landschaft etwas Struktur und Tiefe.
Auf grelle, nahe liegende Straßenbeleuchtung sollte man allerdings verzichten, da die Lichter bei langen Belichtungszeiten ausfressen. Und wenn, das Licht im Rücken halten. Dann besteht aber die Gefahr dass der eigene Schatten, den man nicht unbedingt wahr nimmt mit aufs Bild gelangt. Ein Grau-Verlaufsfilter kann den hellen Lichtern ein bisschen entgegenwirken und diese abmildern. Ebenso können unschöne Blendenflecken entstehen, wenn Streiflicht der Straßenbeleuchtung ins Spiel kommt. Daher immer die Gegenlichtblende montiert lassen.
Schöne Effekte habe ich aber schon erzielt, wenn Wolken über einer Stadt dessen Licht reflektieren und sich mit dem Polarlicht mischen. Eine Doppelbelichtung verstärkt noch den Farbeindruck.

Im Winter bei Schnee suche ich mir bei Tage einen Standpunkt, denn bei Nacht kann man die Tiefe des Schnees schlecht beurteilen. Dann ist es hilfreich, wenn man sich bei Tage einen Trampelpfad in den Schnee gestapft hat. Da ich immer alleine unterwegs bin, gehe ich daher lieber auf Nummer sicher. Und man kann davon ausgehen, dass man außer seiner Taschenlampe keine weitere Beleuchtung vorfindet.

Bereits eine Stunde nach und eine Stunde vor Sonnenaufgang ist das Polarlicht schon zu sehen. Hierzu sollte man dann auf der Seite sein, wo die Sonne auf bzw. unter geht. Dann bekommt man eine schöne Mischung aus Nordlicht und blauer Stunde.

Manchmal flackert das Polarlicht nur kurze Zeit am Himmel. Manchmal hält das Wabbern des Polarlichts aber auch die ganze Nacht über an. Dann bin ich meist auch die ganze Nacht unterwegs und gehe erst in der Morgendämmerung nach Hause. Zwischendurch gibt es aber immer wieder Phasen, wo das Polarlicht fast gänzlich verschwiendet und man denkt, nun ist es wieder vorbei. Aber ich habe es schon oft erlebt, dass es dann nach ein paar Minuten wieder aufflackert. Ich nutze diese Pausen, um ein Stück weiter zu ziehen, und um mir einen neuen Standort zu suchen.

Im übergang zur Morgendämmerung erkennt man am Horizont einen ersten rosa Schein. Der Nachthimmel gewinnt an Helligkeit und lässt das Polarlicht verblassen.
Das ist eine kaum zu beschreibende schöne Lichtstimmung, wenn die Lichter der Nacht von den Lichtern des Tages abgelöst werden, wenn die Straßenbeleuchtung, graue Wolken, ein Himmel von Rosa/Rot/Orage zu Blau und das grüne Polarlicht sich ein Stelldichein geben. 

Und da soll mal einer sagen, die Nacht sei Grau.

Der Standort kann auf den Lofoten aber auch vom Wetter bestimmt werden, denn es muss nicht zwangläufig auf der Vestfjordseite gleich ausfallen wie auf der Meeresseite. Die Lofotwand hält schon mal Wetterströmungen aus West zurück. Hier sollte man den Wetterbericht gut studieren.

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