Rubjerg Knude Fyr
Ein Leuchtturm mit Geschichte


Die Rubjerg Knude bildet den höchsten Punkt an der Steilküste von Lønstrup. Sie erreicht eine Länge von ca. 1900 m und eine Breite ca. 400 m.
Rubjerg Knude selbst hat eine Höhe von gut 70 m. Eine bis zu 50 m hohe Steilküste ist aus eiszeitlichen Ablagerungen aufgebaut und ist damit ein für Dänemark einzigartiges Beispiel isostatisch aufgeschuppter Schollen, die man vom Strand aus sehr gut erkennen kann. Die oberen 20 bis 25 m bestehen aus Flugsand.

Die Düne erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung und fällt zum Meer hin steil ab.
Zu den 50 m des Küstenkliffs hat der Wind in den vergangenen Jahrzehnten den durch die Erosion losen Sand um weitere 50 m aufgehäuft, so dass sie mit bis zu 100 m Höhe eine der größten Wanderdünen Europas ist.


 

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Das Rubjerg Knude Fyr wurde am 27. Dezember 1900 an der dänischen Küste von Rubjerg Knude eingeweiht. Der 23 Meter hohe Leuchtturm stand damals zusammen mit vier Wärterhäuschen hinter einer nur zwei bis drei Metern hohe Sanddüne. Seinen weißen Lichtstrahl sendetet er alle halbe Minute mit einem langen Lichtstrahl und zwei anschließend kurzen Blitzen aus. Dieses Signal konnte bis zu 42 km weit wahrgenommen werden.

Mit seiner Erbauung wurde der Leuchtturm mit seinen Wärterhäuschen zum Spielball der Naturgewalten. Von Anfang an hatte der Sand die Gebäude fest im Griff. Etwa ab 1910 bließ der Wind große Mengen Sand von der Steilküste hinauf. Die ursprünglich etwa drei Meter hohe Düne bildete sich zu einem schmalen Streifen zwischen dem Leuchtturm und dem Meer. Nach und nach drang der Sand zwischen den Wärterhäuschen ein, verschüttete einen Brunnen und machte den Küchengarten unfruchtbar. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden dutzende Fuhren Sand weggefahren. In den 1950er Jahren gruben Bauunternehmen ohne Erfolg große Mengen Sand von der Spitze der stetig wachsenden Düne ab. Mit Kiefernzweigen, die man in die Sanddüne steckte, wollte man das Sandtreiben eindämmen, was aber zur Folge hatte, dass immer mehr Sand festgehalten wurde. Auch der Versuch die Düne mit Strandhafer zu festigen konnte das Wachstum der Düne nicht aufhalten. 
Rubjerg Knude wanderte vom Wind getrieben weiter und erreichte schließlich eine Höhe von etwa 50 m. Damit war der Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr zu sehen. Der Betrieb wurde am 1. August 1968 eingestellt. Ein unmittelbarer Ersatz war wegen der verbesserten Navigationstechnik nicht notwendig. Nachdem schließlich alle Versuche, der Wanderdüne Einhalt zu gebieten, gescheitert waren, beschloss die dänische Regierung Anfang der 1990er Jahre das gesamte Gebiet unter Naturschutz zu stellen und den Sand frei wandern zu lassen.

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1987 verbrachten meine Familie und ich die Sommerferien in einem Ferienhaus in Nr. Lyngby. Wir erkundeten die Gegend und besuchten das erste Mal Rubjerg Knude Fyr. Damals konnten wir noch mit dem Auto bis direkt vor den Leuchtturm fahren und dort parken. Heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. Die Wärterhäuschen wurden damals als Museum genutzt, welches die Geschichte des Leuchtturms und den Sandflug dokumentierten. Wie man auf den beiden Bilder sehen kann, gab es damals noch deutlich mehr Dünenbepflanzung. Unsere kleinen Kinder schleppten wir, vor dem Sandflug schützend, die Düne hinauf. Den wehenden Sand bekamen wir deutlich zu spüren. Der klebte in der Kleidung, in den Haaren und im Gesicht. Auf der Haut prickelte der Sand. Wir schauten kurz aufs Meer, machten ein paar Fotos und verschwanden dann wieder. Mehr wollten wir den Kleinen nicht zumuten.
Es hat dann eine Weile gedauert, bis ich den Leuchtturm wieder besuchten konnte. Die nächsten Jahre reisten wir zum Angeln nach Norwegen und kamen deshalb vorerst am Rubjerg Knude Fyr nicht vorbei. Mit Einzug es Internets beobachtete ich aber anhand von Fotos den Werdegang des Leuchtturms. Zwischenzeitlich war er fast völlig versandet. Wenn ich mich recht erinnere, konnte man für kurze Zeit von der Sanddüne aus direkt in das Laternenhaus des Leuchtturmes klettern. Durch Abwinde an den Turmfassaden bildete sich danach ein Sockel, – eine zunächst kleine Kuhle, die sich mit den Jahren zu einer bis zu zehn Meter tiefen Mulde entwickelte. Dadurch kamen nach und nach auch die Ruinen der Wärterhäuschen wieder zum Vorschein.